Leseprobe: Pikanter Auftrag

Eine strenge Dame

Chicago, März 1943

Der langersehnte Fall

Es war ein trüber wolkenverhangener Tag wie so viele Tage im März. Chicago lag unter einer lückenlosen Wolkendecke, grau wie das abgegriffene Zeitungspapier mit dem sich die zahlreichen Obdachlosen in den öffentlichen Parks zudecken, um im Schlaf ihrem bedeutungslosen Leben für einige Stunden zu entfliehen. Es würde mit Sicherheit regnen dachte ich bei mir und fragte mich insgeheim, warum ich heute überhaupt meine Wohnung verlassen hatte. Bei diesem Wetter würde sich kaum jemand in meine nahe den Docks gelegene Detektei verirren. Ich gebe zu, dass die Lage nicht die beste war, aber die Miete war billig und die Auftragslage zu schlecht, als dass ich über den Bezug einer geeigneteren Örtlichkeit nachzudenken wagte. Es war früher Nachmittag, ich hatte mich in meinem Sessel zurückgelehnt und meinen Hut ins Gesicht geschoben. Während ich den leisen Schlägen der Schreibmaschine lauschte, die aus meinem Vorzimmer drangen, träumte ich von attraktiven Klientinnen und saftigen Spesenabrechnungen. Um ehrlich zu sein hatte ich seit mehr als zwei Monaten keinen ernst zu nehmenden Fall mehr gehabt und ich fragte mich, was meine Sekretärin Jessica ständig auf der Maschine zu tippen hatte. Sie war ein niedliches Ding Ende zwanzig, vielleicht nicht die hellste aber pflichtbewusst und, was das Wichtigste war, sie verlangte nicht viel Lohn. Wahrscheinlich war sie sogar in gewisser Weise dankbar überhaupt Arbeit zu haben. Ich selbst hatte mir von meinem eigenen Leben auch etwas mehr erwartet; ich war in den Dreißigern Bulle gewesen, dann aber in den Krieg gezogen um den Krauts eine Lektion zu erteilen. Davon rührte auch noch der Granatsplitter, den ich in meinem linken Knöchel mit zurück nach Amerika brachte und der mir vor allem bei wechselhaftem Wetter Probleme machte. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass es mit meinen 100 m Zeiten nicht mehr weit her war. Nach meiner Rückkehr hatte man entschieden, dass man für mich bei der Polizei keine Verwendung mehr habe und so hatte ich mich vor einem knappen Jahr selbstständig gemacht, wie so viele andere auch. Chicago ist ein Sündenpfuhl erster Güte und so ging ich davon aus, dass auch für mich genug Arbeit abfallen würde, die ich mir letztlich auch entsprechend vergüten lassen konnte. Wie ich schon erwähnte, war der erhoffte Ansturm ausgeblieben und ich fragte mich manches Mal, wo all die attraktiven und wohlhabenden Frauen waren, die in den drittklassigen Groschenromanen nichts Besseres zu tun haben als ständig bei Privatdetektiven vorstellig zu werden. Laut knarzende Schritte im Treppenhaus vor meinen Büroräumen ließen mich aus meinem Halbschlaf auffahren. Die höheren Stockwerke standen zurzeit leer, daher musste es sich entweder um jemanden handeln, der sich verirrt hatte, oder um einen potenziellen Klienten. Diese Frage wurde durch ein Klopfen an die äußere Eingangstür beantwortet; Jessica unterbrach ihr Gehämmer auf der Schreibmaschine und bat den unbekannten Besucher herein. Ich muss gestehen, dass ich ein wenig enttäuscht war, als ich eine dumpfe Männerstimme nach meiner Person fragen hörte: »Leslie Parker, ich muss ihn sprechen, sofort!«
»Mr. Parker ist ein vielbeschäftigter Mann«, hörte ich meine Sekretärin kühl entgegnen, »ohne Termin kann ich sie leider nicht hinein lassen. Vielleicht nächste Woche …«
Gutes Mädchen, dachte ich mir, während ich mich ein wenig um mein äußeres Erscheinungsbild kümmerte, meinen Krawattenknoten richtete, meinen Hut mit einem gekonnten Wurf an seinem Platz auf dem Kleiderständer in der Ecke unterbrachte und schließlich mit dem Kamm aus der Schublade meinen Scheitel nachzog. Unterdessen war von draußen eine hitzige Diskussion zu vernehmen; darüber wie dringend es sei und dass er nur mit mir persönlich über diese Angelegenheit sprechen könne. Ich hörte Jessica ein paar Schubladen öffnen und übertrieben knisternd in Papieren kramen bis sie schließlich erklärte, dass ein anderer Klient sehr kurzfristig seinen Termin abgesagt hätte und sie ausnahmsweise nachfragen würde, ob ich ein paar Minuten Zeit hätte. Jessica klopfte an meine Tür, öffnete sie, ohne eine Antwort abzuwarten und spähte durch den geöffneten Spalt herein. »Mr. Parker, hier ist ein Herr mit einer offensichtlich dringlichen Angelegenheit. Vielleicht hätten sie ein paar Minuten Zeit, da der 14:30 Uhr Termin abgesagt hat«, fragte sie und stellte damit abermals unter Beweis, was für eine gute Schauspielerin sie war. Oder war Lügnerin in diesem Fall der geeignetere Begriff? In jedem Fall griff ich den Faden auf, erwiderte barsch, dass ich hier mitten in einer wichtigen Sache sei und eigentlich keine Zeit habe. Wenn es aber wirklich dringend sei, wolle ich mir kurz anhören, was der Fremde vorzubringen habe. Daraufhin öffnete sie die Tür vollständig und gab den Weg für meinen Besucher frei. Während er eintrat, schob ich einige Papiere auf meinem Schreibtisch zusammen und verstaute sie anschließend in einer Schublade. Ich lasse für einen Fall wie diesen immer etwas Papier herumliegen um einen, wie ich glaube, geschäftigen Eindruck zu machen, und meine Zeit für wertvoller zu verkaufen als sie eigentlich ist. Der Mann, der eintrat und seine schweißnasse Stirn mit einem Taschentuch abtupfte, war von mittlerer Größe und einen Tick korpulenter als es seinem gesamten Erscheinungsbild zuträglich war. Der offensichtlich maßgeschneiderte graue Anzug sah teuer aus, ein gutes Zeichen dachte ich bei mir. Ich bat ihn, sich zu setzen und sein Problem zu schildern. Was folgte, war der Klassiker schlechthin, denn mein potenzieller Klient, der sich mir als Howard Matthews vorstellte, entpuppte sich als augenscheinlich eifersüchtiger Ehemann, der sich sehr sicher war, dass sein Frau Clara ihn mit einem anderen betrüge. Von seinem Gärtner habe er erfahren, dass seine Gattin seit mehreren Wochen immer montags und donnerstags um Punkt 14 Uhr das Haus verlasse, ein Taxi nehme und nicht vor 17 Uhr zurückkäme. Er selbst arbeite in der Regel lange und käme nicht vor 18 Uhr nach Hause, sodass ihm persönlich das niemals aufgefallen wäre. Er habe zudem selbst einmal versucht, ihr heimlich zu folgen, habe den Wagen aber aus den Augen verloren. Die offensichtliche Frage, warum er seine Frau nicht einfach zur Rede stelle, stellte ich nicht. Dies hätte mir allenfalls einen feuchten Händedruck aber keinen müden Cent eingebracht. Stattdessen fragte ich ihn, was er nun konkret von mir wolle. Was er von mir wolle, erklärte er, sei, dass ich seiner Frau heimlich folge, den Liebhaber, sofern dieser existiere, ausfindig mache und zudem einen stichhaltigen Beweis für die Liaison liefere, der auch vor Gericht Bestand habe. Denn sein Ehevertrag beinhalte eine Klausel, der nach seine Gattin bei Ehebruch leer ausginge. Was die Leute nicht alles in ihre Eheverträge schreiben, dachte ich mir und erklärte mich dazu bereit der Angelegenheit nachzugehen. Die ganze Geschichte erschien mir nicht sonderlich problematisch; heute war Dienstag, entsprechend würde ich übermorgen ab 12 Uhr die Wohnung observieren und Mrs. Matthews beschatten. Nachdem ich dann das Ziel ihres regelmäßigen Verschwindens gefunden hatte, sollte der Rest ein Kinderspiel sein. Mein Mandant war mit diesem Plan einverstanden und reichte mir auf mein Nachfragen hin seine Visitenkarte und eine Schwarz-Weiß-Fotografie, die das augenscheinlich frisch verheiratete Paar zeigte. Mein Gegenüber sah seinem fotografischen Abbild noch sehr ähnlich, sodass die Hochzeit wohl nicht mehr als einige Jahre, oder weniger, zurückliegen konnte. Im Gegensatz zu ihrem Ehemann war Clara eine wahre Schönheit, groß gewachsen, schlank, mit hellem, wahrscheinlich blondem, Haar, das nicht ganz bis auf die Schultern reichte. Howard war vielleicht nicht gut aussehend aber sicher nicht auf den Kopf gefallen. Der Klausel in dem Ehevertrag nach hatte er sich offensichtlich auch selbst schon die Frage gestellt, was Clara, abgesehen von seinem Zaster, an ihm finde. Ich ließ mir 200 Dollar Vorschuss geben und verabschiedete meinen Auftraggeber. Wir wollten uns in der kommenden Woche um die gleiche Zeit in meinem Büro treffen, um meine Erkenntnisse und gegebenenfalls das weitere Vorgehen zu besprechen. Nachdem Matthews gegangen war, ordnete ich noch eine gute halbe Stunde meinen Schreibtisch, schickte Jessica, nachdem ich sie für die gute Arbeit gelobt hatte, früher nach Hause und machte auch mich auf den Heimweg. So schlecht war dieser Tag dann doch nicht gewesen.

[Ende der Leseprobe]

… und noch eine Leseprobe aus der Mitte der Geschichte:

Böses Erwachen

Jeder hat sicher schon einmal erlebt, wie äußere Einflüsse unsere Träume beeinflussen können. Entsprechend war ich selbst nur leicht bekleidet in einer eisigen Schneelandschaft auf der Suche nach einem Funken Wärme unterwegs, als ich aus meinem unfreiwilligen Schlaf erwachte. Als ich meine Augen aufschlug, war es unangenehm kühl. Dieser Umstand klärte sich umgehend, als ich bemerkte, dass ich meine Kleidung vollständig eingebüßt hatte. Reflexartig wollte ich meine Blöße bedecken, musste jedoch feststellen, dass mir dies unmöglich gemacht wurde. Sowohl meine Arme als auch meine Beine waren fixiert; ich lag rücklings auf einem zugegebenermaßen bequemen Bett, meine Hand- und Fußgelenke mit weißen Stricken an den metallenen Rahmen gebunden. Das Fenster des Schlafzimmers war gekippt und der unangenehm kühle Luftzug machte mir eine Gänsehaut. Die Situation wirkte so unwirklich, dass ich das Gefühl hatte von einem Traum in den nächsten geschlittert zu sein. Ein gekünsteltes Husten ließ mich meinen Kopf nach links wenden, ich musste mich auf Grund meiner Fesseln ziemlich verrenken, erkannte dann aber eine Person, die in der Ecke des Zimmers lehnte. Das kastanienbraune lockige Haar war unverkennbar und Patricia setze wieder ihr spöttisches Lächeln auf, das ich bereits kurz bevor ich das Bewusstsein verlor, gesehen hatte. Sie musste mich in benommenem Zustand in ihr Schlafzimmer und auf ihr Bett bugsiert haben. Wie hätte diese zierliche Frau ansonsten meinen Körper bewegen sollen. Sie kam nun näher und baute sich neben dem Bett auf. Ich zog die Armmuskeln an um die Festigkeit meiner Fesseln zu prüfen, musste allerdings feststellen, dass sie keinen Zentimeter nachgaben. Patricia trug den roten Morgenrock, den ich am Vortag bereits gesehen hatte. Der feine Stoff, unter dem sich ihre Brüste abzeichneten, schmiegte sich an ihren Körper und bewegte sich leicht in der Zugluft.
»Sie haben einiges gut zu machen, Mr. Parker«, richtete sie das Wort an mich, »sie haben durch ihre Störung gestern nicht nur mich, sondern auch meine Freundin, um unser Vergnügen gebracht. Dafür werden sie heute mit Zinsen bezahlen.«
Ich schluckte, die Selbstsicherheit dieser Frau in Kombination mit meiner absoluten Hilflosigkeit machte mich sprachlos. Ich wandte den Blick von ihr, überlegte was sie mir antun würde, war aber unfähig einen klaren Gedanken zu fassen. Sie schloss das Fenster und zog die Gardinen ein wenig, jedoch nicht vollständig, zusammen, sodass das gesamte Zimmer in ein dämmriges Zwielicht gehüllt wurde. Sie kam zum Kopfende des Bettes, ihre leisen Schritte verrieten mir, dass sie barfuß war. Sie beugte sich dicht an mein linkes Ohr und stellte flüsternd fest: »Sie zittern ja. Ist ihnen kalt oder haben sie Angst?«
Sie trippelte mit ihren Fingerspitzen über meine Brust. Als ich nicht antwortete, wandte sie sich von meinem Kopf ab und ließ ihre Fingerspitzen auf die gleiche trippelnde Art und Weise meine Oberkörper hinunter bis zu meinen Lenden wandern.
»Wenn ich ihnen eine Frage stelle sollten sie antworten!«, merkte sie an.
Ohne Vorwarnung schnippte sie unsanft gegen die Spitze meines Penis, was mich zusammenzucken ließ.
»Wenn ich verlange, dass sie etwas tun, dann tun sie es!«
Abermals schnippte sie gegen mein Geschlechtsteil, dieses Mal etwas fester.
»Haben sie das verstanden?«, fragte sie mich direkt, wobei sie mich mit ihren tief grünen Augen fixierte.
Noch bevor ich antworten konnte, wiederholte sie die Prozedur ein drittes Mal und ich presste ein hastiges »Ja!«, hervor.
»Gut«, schmunzelte sie, »dann werden sie weniger leiden, als sie es vielleicht verdienen. Und wer weiß, vielleicht gefällt es ihnen sogar. Es gibt Männer, die für eine solche Behandlung eine Menge Geld bezahlen.«

[Ende der Leseprobe]

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