Leseprobe: Der Job – Eins von Mirador

Leseprobe

Wir gingen zum Hafen, und während wir einen Salat verspeisten, ruderte tatsächlich eine richtige Galeere in den Hafen. Mir blieb vor Staunen ein Salatblatt zwischen den Lippen stecken, als ich die Peitschen und die Stimmen der Frauen hörte.
Gekonnt legte das lackschwarze Schiff mit der Spitze am Kai an und drei Männer in schwarzen Shorts liefen los und holten unsere Koffer an Bord. Offenbar war Robert hier bekannt. Keine der drei Damen fragte uns, wer wir waren. Die Frau am Steuer lud uns sogar freundlich ein, unter dem Sonnensegel Platz zu nehmen und die Fahrt zu genießen. Robert legte sich auf eine Art Liege und ich sah fasziniert den zwei Reihen der Ruderer zu. Wie auf ein Kommando schoben sich die Riemen ins Wasser und die Sklaven bewegten das Schiff in Richtung der offenen See. Zwei in schwarzes Leder gekleidete schlanke Frauen verteilten mit ihren langen Peitschen Hiebe an die Faulen, oder solche, die es nicht schafften, im Takt zu bleiben. Die Männer mühten sich nach Kräften und einige stöhnten vor Anstrengung, weil eine starke Strömung in den Hafen hineinwirkte.
»Schneller!«, rief die Frau am Ruder und plötzlich schlug ein Mann, den ich bisher nicht wahrgenommen hatte, eine Trommel. Die Männer erhöhten die Taktzahl und die Peitschen wurden öfter benutzt. Einer der Ruderer schrie auf.
»Säcke in den Mund!«, befahl die Rudergängerin und alle Sklaven nahmen einen kleinen Lederbeutel, der ihnen an einem Band um den Hals hing, und steckten ihn sich zwischen die Zähne.
»So können sie nicht brüllen. Ich finde es lästig, wenn sie jammern. Sie nicht auch?«, lachte die Frau und stellte sich als Cora die Schiffsführerin vor.
»Ich weiß nicht, manche finden Jammern ganz reizvoll«, antwortete ich verlegen.
»Stimmt. Aber doch nicht bei so ein bisschen rudern. Wenn sie am Haken hängen und man ihnen das Fell gerbt, dann können sie schreien, aber hier? Ich bitte Sie! Sklaven sollten schon etwas belastbarer sein.«
»Ich bin keine Herrin. Ich bin die Mitarbeiterin von Robert …«
»Ich weiß, wer Sie sind. Wir haben uns auf dem Maskenball gesehen. Ich trug allerdings eine Maske. Sie waren gerade mit dieser Sängerin beieinander, als ich vorbeiging. Nebenbei bemerkt ein schönes Bild, wenn man Sklavinnen mag.«
Bald hatten wir den Hafen verlassen und die Ruderer bewegten sich in einem gleichförmigen Takt.
»Rechte Ruder auf!«, schrie sie und das Schiff umrundete einen Felsen, der aus dem Wasser ragte.
Wir hatten Tranicos erreicht und in der Ferne sah ich ein Kriegsschiff liegen, das uns sicher beobachtete.
»Es sind die Griechen. Sicher haben sie wieder alle Ferngläser auf uns gerichtet, das geile Pack«, sagte eine der Peitschenfrauen, die sich mit Sonia vorstellte.
»Zeig ihnen doch etwas. Den ganzen Tag aufs Wasser starren, muss einen Mann ja trübsinnig machen«, lachte Cora und Sonia nickte lächelnd.
Sie pellte sich aus ihrem hautengen Anzug und ging nackt an den Bug des Schiffes. Einige Sklaven, die ihr einen lüsternen Blick zuwarfen, spürten dafür sofort die Peitsche. Sonia kletterte langsam auf den Fockmast und glitt rittlings auf ihm nach vorne. Wahrscheinlich war auf dem Kriegsschiff jetzt bereits der Teufel los. Mit lasziven Bewegungen rieb sie ihren Unterleib über das Holz und schien tatsächlich in Fahrt zu kommen. Sie bewegte ihren Oberkörper vor und zurück, bis sie sich anscheinend fertig und erschöpft ins Wasser gleiten ließ. Ein langes Hornsignal des Schiffes war die Antwort und ich konnte nicht anders und musste lachen.
»Männer kann man leicht glücklich machen«, sagte Sonja, während ich ihr aus dem nicht eben warmen Wasser half und ein Handtuch reichte.
Eine Kutsche mit zehn Pferden erwartete uns. Es war ein schwarzer Wagen mit hohen Speichenrädern und drei ledergepolsterten Sitzbänken hintereinander, der unser Gepäck aufnahm. Bevor wir uns setzten, musterte ich die Zugpferde genauer. Zehn kräftige junge Männer waren mittels Ledergeschirren an eine Deichsel gefesselt. Ihre Hände waren vor der Brust, an kräftige Querstreben gekettet, damit sie ihre Kraft voll entfalten konnten. Über den Köpfen trugen sie Ledermasken und nur die beiden vorderen Pferde hatten die Möglichkeit zu sehen. Sie trugen keine Knebel, denn ich hörte sie laut und angestrengt unter dem Leder atmen. Sie trugen kurze Hosen, die den Schritt freiließen und ihre Schwänze standen allesamt waagerecht nach vorne. Ein hübscher Anblick fand ich. Eine dünne Kette war um jeden Hodensack gelegt und endete in zwei Zügeln, die in den lederbehandschuhten Händen der Kutscherin endeten.
»Man muss nur leicht ziehen und ich schnüre ihnen die Eier ab. Das bringt sie sofort zum Stehen«, sagte die Lenkerin des Wagens, als sie mein Interesse bemerkte.
Ich schaute mir die Kette genauer an. Ein schmaler Lederriemen um die Taille hielt eine feine Schlinge immer in leicht gelockerter Lage und an dieser Stelle war die Kette zusätzlich mit feinen Spitzen versehen. ›Autsch‹, dachte ich. Das mit dem Stehen, hatte es wirklich in sich. Wir nahmen Platz und Robert ging mit der ganzen Sache sehr locker um. Er scherzte mit den Frauen und hatte auch lobende Worte für die Sklaven, die mit geradezu herzlicher Hingabe um uns herumwieselten. Wir nahmen Platz und die Kutscherin namens Lily, schwang die lange Peitsche über den Kopf und ließ sie wie einen Gewehrschuss knallen. Der Zug setzte sich in Bewegung und in einem langsamen Dauerlauf liefen die Pferde durch einen Korkeichenwald unserem Ziel entgegen.
»Lady Marie ist auf Rhodos. Sie kommt aber heute Abend zurück. Wir haben für Sie das Gästehaus an den Klippen fertiggemacht. Dort sind Sie ungestört und können in Ruhe ihren Geschäften nachgehen«, meinte Lily und schlug mit großer Präzision einem Sklaven zwischen die Schultern.
Es war warm draußen und ich sah mit Erstaunen, dass die Frau ganz in weißes Leder gekleidet war. Schenkelhohe schwarze Stiefel und ein Ledergeschirr rundeten das Bild der strengen Herrin gekonnt ab.
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